Wir brauchen eine große Pflegelösung!

Wegfall des Pflegeregresses – ein wichtiger aber nur erster Schritt!

Die Gesamtproblematik der Pflege müsse nach den Nationalratswahlen einer seriösen und umfassenden Diskussion und Lösung zugeführt werden, verlangt Oberösterreichs Seniorenbund Obmann Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Pühringer. Denn dieses gesellschaftliche „Megaprojekt“ ist für einen „Wahlgag“ zu ernst. „Die Zeit ist zu kurz für die Diskussion eines so wichtigen Themas, denn es geht um ein umfassendes und nachhaltiges Pflegepaket“, so Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Pühringer.

Alleine die Zahlen und Fakten aus Oberösterreich machen die Dimensionen deutlich. „Es geht hier nicht um irgendwelche wichtigen Aspekte von Lebensqualität, sondern um das große Grundanliegen, dem Menschen ein Leben in Würde – auch in jenen Phasen des Lebens zu ermöglichen – wo Menschen zu mehr oder minder hilflosen Pflegefällen werden“, so Landeshauptmann a.D. Dr. Josef Pühringer.

 

Die Fakten in Oberösterreich:

2016 erhalten in Oberösterreich 85.000 Menschen Pflegegeld. 2040 werden es bereits 126.000, also 56 % mehr sein.

Derzeit befinden sich in Oberösterreich 15.000 pflegebedürftige Menschen in Heimen, rund 30.000 werden Mobil betreut.
Wenn man bedenkt, dass die Zahl der über 85-jährigen von ca. 40.000 in den nächsten 30 Jahren auf ca. 115.000 alleine in Oberösterreich steigen wird, kann man sich die explosive Entwicklung vorstellen.

Aus Sicht des OÖ Seniorenbundes muss ein umfassendes Pflegepaket folgende Bereiche umfassen:

1) Ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal. Wir können uns nicht auf Dauer auf ausländische Pflegekräfte verlassen. Irgendwann werden diese auch zu Hause gebraucht und finden auch in ihren Herkunftsländern akzeptable Arbeitsbedingungen vor.

2) Sicherstellung der qualifizierten Ausbildung für alle Pflegeberufe – ausreichende Anzahl an Aus- und Fortbildungsangeboten.

3) Sicherung der Qualität der Pflege. Die derzeit vorhandene hohe Qualität muss erhalten werden. Die vom Rechnungshof aufgezeigten Problemfälle müssen einer raschen Lösung zugeführt werden. Es ist aber nicht gerechtfertigt einen Generalverdacht abzuleiten. Gerade in Oberösterreich wissen wir, dass die Pflegerinnen und Pfleger Arbeit in höchster Qualität leisten. (Geringe Anzahl von Beschwerden in OÖ). 

4) Prinzip: Mobil vor Stationär.
Es ist der vorrangige Wunsch der meisten Betroffenen, im Familienverband gepflegt zu werden – wo dies möglich ist, sollte es auch ermöglicht werden.
Die Kosten für derzeit 15.000 zu pflegender Personen in Pflegeheimen betragen in Oberösterreich (Stichpunkt 2012) € 163 Mio. während die Kosten für rund 30.000 zu pflegende Personen in der mobilen Pflege  € 35,7 Mio. in Oberösterreich verursachen.
Dieser Kostenvergleich zeigt sehr eindeutig, dass auch aus wirtschaftlichen Gründen dem Prinzip „Mobil vor Stationär“ absoluter Vorrang einzuräumen ist.

5) Ausbau der Unterstützung für pflegende Angehörige durch zur Verfügung stellen von Kurzzeitpflegeplätzen in Alten- und Pflegeheimen und Ausbau der Betreuung in Tageszentren. Wir dürfen Familien, die von der Pflege oft mehrerer Angehöriger betroffen sind, in dieser schwierigen Frage nicht alleine lassen!

6) Bedarfsgerechter Ausbau der Pflegeheimkapazitäten in Oberösterreich. Derzeit hat Oberösterreich im Wesentlichen in allen Regionen ausreichende Pflegeheimplätze. In einem Masterplan ist jedoch dafür zu sorgen, dass mittel- und langfristig genügend Plätze zur Verfügung stehen. Denn die Zahl der Hochbetagten wird in Oberösterreich in den nächsten Jahren dramatisch ansteigen.

7) Hospiz und Palliativ Angebote ausbauen:
In Oberösterreich ist derzeit der Hospiz und Palliativplan verwirklicht. In anderen Bundesländern gibt es hier noch einen großen Nachholbedarf. „Zum würdigen Leben gehört auch das würdige Sterben“, so  Landesobmann LH a.D. Dr. Pühringer.

8) Mittel- und langfristige Sicherstellung der Finanzierung der Pflege:
„Der derzeitige Pflegefond, der bis 2021 beschlossen ist, ist sicherlich keine Dauerlösung. Dies war aber bereits bei der Schaffung des Pflegefonds, an der ich als damaliger Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz mitwirken durfte, allen Betroffenen klar“, so  Landesobmann LH a.D. Dr. Pühringer. Das ist keine Dauerlösung – es braucht eine verlässliche Finanzierung des Gesamtbereiches der Pflege inklusive der Finanzierung des Pflegeregresses. Diesbezüglich darf man Sozialhilfeverbände, Gemeinden und Länder nicht überfordern.

 

„Die Abschaffung des Pflegeregresses ist sicherlich eine für die Betroffenen wichtige Frage und ein wesentlicher Teil eines zukünftigen Pflegepakets. Aber die großen Fragen betreffend die Zukunft der Pflege bleiben offen“, betont Landesobmann Dr. Pühringer.

„Ich plädiere dafür, eine sehr offene und umfassende Diskussion nach den Nationalratswahlen zu führen, alle Betroffenen an einen Tisch zu holen und das Pflegethema aus der Nationalratswahlauseinandersetzung auszuklammern. Denn es geht um Fragen des würdigen Lebens und des würdigen Sterbens – solche Grundanliegen der Gesellschaft sollten in einer reifen Demokratie aus dem parteipolitischen „Hickhack“ ausgespart bleiben“, so Landesobmann LH a.D. Dr. Pühringer.