Die digitale Revolution

Wie Roboter unsere Welt verändern werden.

„Maschinen und Roboter sind keine Zukunftsvision – sie sind bereits Alltag“, so Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer anlässlich einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Digitalisierung. Neben Anwendungen in Industrie, Technik und Medizin steuern modernste technische Produkte Heizung und Klimaanlage, sie mähen den Rasen, saugen den Staub, sie nehmen uns das Einparken oder gleich das Autofahren insgesamt ab, sie messen den Puls, die tägliche Schrittanzahl, sie verbinden uns mit der ganzen Welt, und praktisch jeder nutzt die Segnungen dieser technologischen Entwicklung – bewusst oder unbewusst.

Auch in Österreich nähert man sich dem Thema. Wir erinnern uns an die niedliche, flauschige Robbe Paro, die bereits 2004 als Streichel-Partner für Demenzpatienten vorgestellt wurde.

Die Akademie für Altersforschung in Wien hat in Zusammenarbeit mit der TU Wien und weiteren Universitäten einen Roboter für den Altenpflegebereich hergestellt und im Wiener Haus der Barmherzigkeit im Heimbetrieb getestet. Der froschgrüne Blechmann mit Glaskopf und kullerrunden Augen ist mit Kameras und Sensoren ausgestattet und schlägt Alarm, wenn etwa ein Heimbewohner zu nahe an die Treppe gelangt. Kommuniziert wird über ein Touchscreen Display: Wie spät ist es? Wie wird das Wetter? Was gibt’s heute zu essen? Ein weiteres Produkt der Akademie für Altersforschung – der Hobbit – ist auf Sturzprävention und -erkennung programmiert. Er räumt Hindernisse weg, hebt Dinge vom Boden auf, erkennt Stürze und ruft im Notfall Hilfe herbei. Und er unterhält mit Spielen, Übungen, Musik oder Filmen.

Roboter sind keine Zukunftsmusik. Sie sind schon da. Pepper (im Bild), Erica, Nadine – zeigen in youtube-Videos, was sie drauf haben. Einfach „Roboter“ und den Namen googeln (© flowgraph / Shutterstock.com).

Die Entwicklung der Roboter geht mit Riesenschritten voran. In Fernost werden mittlerweile die ersten sogenannten „humanoiden“, also menschenähnlichen Roboter präsentiert. Sie sind in der Lage, menschliche Emotionen zu erkennen und darauf zu reagieren. Der Roboter wird also vom reinen Unterstützer zum Freund und Gefährten – zum „companion robot“. Einer von ihnen heißt „Pepper“. Seine äußeren Formen sind dem menschlichen Körper nachempfunden – sie wirken weich, aber nicht menschlich. Mit seinen großen Augen und seinem freundlichen Gesicht bedient er – ganz ähnlich wie die Robbe Paro – das psychologische Kindchenschema, auf das der Mensch instinktiv positiv und mit Zuwendung reagiert. „Pepper“ kann Stimmlagen, Gesten und Gesichtsausdrücke der Menschen erkennen und reagiert darauf mit Veränderungen seiner Augenfarbe, bestimmten Gesten und übers Tablet auf seiner Brust.

„Erica“, eine hübsche junge Roboter-Frau hat die nächste Entwicklungsstufe genommen: Mit weichen menschlichen Gesichtszügen, langen Haaren, bewegtem Mund und Lidern sieht „Erica“ fast aus wie das nette Mädel von nebenan. Sie führt Gespräche, erkennt die Stimmung des Gegenübers und reagiert verbal und nonverbal – mit rascherem Wimpernschlag, erstauntem Gesichtsausdruck, Neigen des Kopfes oder leichtem Lächeln. Ganz ähnlich „Nadine“ – ihre „Schwester“ aus Singapur, sie soll sogar den Ansatz einer eigenen Persönlichkeit haben.

Dr. Martina Mara (© Robert Gortana)

Die Medienpsychologin Dr. Martina Mara leitet am Ars Electronica Futurelab den Forschungsbereich RoboPsychology und hat an der Universität Koblenz-Landau zur Wahrnehmung menschenähnlicher Maschinen promoviert.

Wie reagieren denn Menschen grundsätzlich auf sogenannte Partner Robots, im Besonderen auf menschenähnliche wie „Nadine“ oder „Erica“?

Dr. Martina Mara: „Die Forschung zeigt, dass wir Menschen uns mit realistischen Kopien unserer Spezies alles andere als leicht tun. Einerseits betrifft das das Äußere. Bei hochgradig menschenähnlichen Roboter-Designs – Androide wie Erica oder Nadine etwa – laufen wir Gefahr, unser Hirn widersprüchlichen Reizen auszusetzen: Sieht genau aus wie ein Mensch, soll aber eine Maschine sein. Streckt den Arm im richtigen Moment nach mir aus, im Detail ist die Handbewegung aber dann doch einen Tick zu mechanisch. Solche Konflikte können mitunter dazu führen, dass wir Androide als furchterregend oder sogar unheimlich wahrnehmen. Neben der Optik zeigt sich aber auch bei Studien zu potenziellen Anwendungsfeldern von Robotern, dass es gegenüber einem Einsatz in allzu menschelnden Bereichen große Skepsis gibt. Kurz gesagt: Die Idee des Industrieroboters stößt in der Bevölkerung typischerweise auf viel größere Akzeptanz als die der Roboter-Nanny oder des simuliert-empathischen Pflegeroboters.“

Noch stehen wir am Anfang, die technologische Entwicklung läuft aber mit Rekordtempo. Könnte es mit den Robotern ähnlich schnell gehen wie mit dem Smartphone, das binnen zehn Jahren zum Standard wurde?

Dr. Martina Mara: „Dass für die Bereiche der Robotik und künstlichen Intelligenz in der nächsten Dekade große Fortschritte zu erwarten sind, liegt schon deshalb auf der Hand, weil führende Tech-Unternehmen wie Google oder Apple derzeit enorme Ressourcen in diese Bereiche investieren, auch indem sie kleinere Robotik-Start-Ups und spezifische Labore einkaufen. Ich bin der Überzeugung, dass sich etwa bei robotischen Transport- und Mobilitätssystemen viel tun wird. Vollautonome Robo-Taxis, meinetwegen auch Paketliefer-Drohnen, das sind Dinge, die uns in zehn Jahren schon im Alltag geläufig sein könnten. Auch Cobots, also kollaborative Roboter, die für Teamwork mit Menschen gemacht sind, in Industrie oder Medizin etwa, werden noch in viel, viel größerem Ausmaß zum Einsatz kommen. Im Bereich sogenannter sozialer Roboter wird die smarte Alltagsunterstützung von älteren oder pflegebedürftigen Menschen zwecks Erhalt der eigenen Selbstständigkeit sicher ein Thema sein – auch wenn die schlauen Robo-Assistenten für daheim wahrscheinlich ganz anders aussehen werden als menschliche Pflegerinnen und Pfleger.“

Ein Roboter wird einen Menschen niemals ersetzen können, weil er nicht fühlen kann. Würden Sie sich diesem Satz anschließen? Oder ist es denkbar, dass die Wissenschaft es schafft, auch Gefühle gewissermaßen zu digitalisieren?

Dr. Martina Mara: „Ich finde ja, es würde gar nicht schaden, in der Diskussion über Automatisierung und künstliche Intelligenz etwas mehr Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. So leicht sind wir Menschen in unserer Weltwahrnehmung, unserer Kreativität und Spontaneität, unserem Kommunikationsvermögen oder unserem Humor nämlich gar nicht ersetzbar. Und wenn es um Gefühle geht – und um die geht es ja eigentlich sehr oft – noch viel weniger. Sagen wir so: In spezifischen Teilbereichen unserer Kompetenzen werden wir Menschen durch intelligente Maschinen ersetzt werden, werden wir es teils ja auch heute schon. Denken Sie an die schnelle Analyse großer Datenmengen oder an das selbstfahrende Roboterauto, das durch seine Sensorsysteme in jeder Millisekunde 360 Grad rundum sehen kann. Das sind gut abgesteckte Gebiete, in denen Maschinen erfreulicherweise mitunter auch mehr drauf haben als der Mensch. Das heißt aber noch lange nicht, dass Roboter uns in unserer gesamten Komplexität als denkende, lernende, fühlende Wesen nachahmen können. Die meisten Experten gehen derzeit davon aus, dass das niemals möglich sein wird.“

Der Moment, in dem Roboter denken und sich selbst verbessern können, wird von der Wissenschaft als „Technologische Singularität“ bezeichnet. Die einen befürchten dann eine Machtübernahme durch Roboter, wie sie Science Fiction Dystopien zeichnen, die anderen meinen, es könnte dem Menschen Unsterblichkeit verschaffen, wenn es gelänge, Maschine und Geist zu vereinen. Was denken Sie?

Dr. Martina Mara: „Die Theorie der Singularität ist in der Fachwelt nicht ganz unumstritten und nebenbei gesagt, wird auch der prognostizierte Zeitpunkt ihres Eintretens von der einschlägigen Community immer wieder mal nach hinten verschoben. Ganz generell bin ich nicht gern auf der Seite der Kulturpessimisten und Robo-Apokalyptiker. In Relation zur Menschheitsgeschichte haben wir es bei Robotik und künstlicher Intelligenz mit sehr jungen Entwicklungen zu tun, bei denen es wohl einfach noch eine Zeit des Diskurses und des Explorierens benötigt, bis wir uns darauf geeinigt haben, wie wir sie zum größtmöglichen Vorteil für die Menschheit nutzen. Sollte dies allerdings jemals mit der Realisierung des alten Unsterblichkeitstraums verbunden sein, können wir eigentlich nur hoffen, dass uns die Verbindung von Maschine und Geist gleichzeitig auch schlaue Ideen für die Eroberung des Weltraums einbringt.“