Klang der Heimat

Die Liebe zur Blasmusik verbindet Land und Leute, Jung und Alt. An den hohen kirchlichen Feiertagen, bei Festen und Umzügen, bei zahlreichen Anlässen, an denen Gemeinschaft gelebt und erlebt wird, ist sie dabei: die Blasmusik. Sie gehört in besonderer Weise zu Oberösterreich, sie hat Aktive und Fans in allen Generationen.

Die Wurzeln der Blasmusik in Oberösterreich lassen sich bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurückverfolgen und liegen in der Militärmusik, wie Andreas Lindner im Forum Geschichte (www.ooegeschichte.at) schreibt. Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Garnisonsstädte Linz, Wels und Enns bereits bedeutende Ensembles und die Militärmusik wurde während der gesamten Monarchie stark gefördert. So ein Aufmarsch war eine schöne Unterhaltung für das Volk, in einer Zeit, in der es für die einfachen Leute wenig Abwechslung gab. Später wurden viele Korpskapellen in Blasmusikkapellen umgewandelt und abgerüstete Militärmusiker gründeten in ihren Heimatorten eigene Kapellen und Vereine. Mit der Erfindung der Ventile in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden neue Instrumente gebaut und die Klangvielfalt erweitert. Der Großteil der heute existierenden oberösterreichischen Musikkapellen wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten gegründet. Soweit zur Geschichte.

Heute sind im Oberösterreichischen Blasmusikverband über 24.000 Musikerinnen und Musiker in rund 480 Kapellen aktiv. Ihr oberster Kapellmeister auf Bundes- und Landesebene ist Professor Walter Rescheneder. Der OÖ Seniorenbund sprach mit ihm über die Faszination der Blasmusik.

Miteinander der Generationen: Mehr als die Hälfte der im Blasmusikverband registrierten Aktiven ist unter 30.

Herr Prof. Rescheneder, die Blasmusik ist hierzulande quer durch die Generationen beliebt und ein wichtiges Symbol der Heimat. Ist dies in anderen Ländern auch so?

Prof. Rescheneder: „Nein, Österreich ist da schon einzigartig. Ein Grund ist die professionelle Musikerziehung in den Musikschulen über vier Jahrzehnte hinweg – Oberösterreich ist hier ein Musterland in Europa. In den Schulen liegt die Keimzelle für fundierte und niveauvolle Blasmusik. Wir ernten jetzt die Früchte dieser Arbeit. Oberösterreich liegt im Spitzenfeld der europäischen Blasmusik. Erstens, weil wir aufgrund der Ausbildungsqualität auf ganz hohem Niveau musizieren; zweitens, weil wir eine enorm breite Basis haben. Es gibt ja in Oberösterreich mehr Blasmusikkapellen als Gemeinden! Auf diesem Fundament gründen Spitzenleistungen.“

Die Blasmusik wurde eine Zeit lang rein traditionell gesehen. Sie beschränkt sich jedoch nicht auf das klassische Brauchtum. Macht sie das so breitenwirksam attraktiv?

Prof. Rescheneder: „Die Domäne der Blasmusik ist die traditionelle Marschmusik, doch sie interpretiert auch die gesamte österreichische Musiklandschaft bis hin zur sinfonischen Blasmusik. Die Blasmusikkapelle ist die einzige Formation, die alle Musikrichtungen abdeckt. Es gibt kein anderes professionelles Orchester, das in einem Konzert Melodien aus Oper, Operette, Musical, Jazz, Rock und Pop spielen kann. Und ihr Repertoire deckt alle Anlässe ab, die für die Menschen und das Land bedeutsam sind – Hochzeit, Erstkommunion, Begräbnis, Feste...“

Musizieren braucht Konsequenz und Zeit für Übung, Proben, Auftritte. Man muss durchschnittlich mindestens drei bis vier Jahre lernen, ehe man im Orchester mitspielen kann. Trotzdem finden sich in Oberösterreich genügend junge Menschen, die sich für die Blasmusik begeistern. Im Oberösterreichischen Blasmusikverband sind mehr als die Hälfte der Aktiven unter dreißig. Und die Blasmusik ist hierzulande längst keine reine Männerdomäne mehr, auch wenn die Damenwelt bestimmte Instrumente - Querflöte, Klarinette, Saxophon – zu bevorzugen scheint. Besonders stolz ist man im Blasmusikverband auf das Nachrücken der Frauen in höchste Funktionen. Derzeit gibt es im Verband achtzig Kapellmeisterinnen und immer mehr Frauen machen die Ausbildung.

Die Blasmusik hat auch eine verbindende Aufgabe und hierin liegen weitere Werte, die über das rein Musikalische hinausgehen: In vielen Tourismusorten hat die Blasmusik die Funktion des Kurorchesters übernommen und erfreut die Gäste mit heimatlichen, typisch österreichischen Klängen. 

Vor allem aber verbindet die Blasmusik, wie kaum eine andere Art des Musizierens, die Generationen.

Prof. Rescheneder: „Dass Jung und Alt zusammen spielen, ist die Regel. In unserem Verband wird 480 Mal generationenübergreifend musiziert! Natürlich gibt es auch reine Jugendkapellen und es ist gut und wichtig, dass die Jugend Eigenes versucht. Aber es gibt kein einziges Blasorchester, das zwischen Jugend und Senioren teilt. Unser jüngster Musikant im Orchester ist acht – ein Schlagzeuger; der älteste ist achtzig, er spielt Saxophon.“

Was wünschen Sie sich für die Blasmusik in Oberösterreich?

Prof. Rescheneder: „Wir sind davon abhängig, was unsere Aktiven leisten. Wenn wir gemeinsam unser Niveau und unsere Qualität beibehalten können, dann können wir uns glücklich schätzen.“

„Unser jüngster Musikant im Orchester ist acht – ein Schlagzeuger; der älteste ist achtzig, er spielt Saxophon.“

Dr. Josef Ratzenböck-Stipendium: Förderung für begabte Nachwuchs-Musiker

Für den besonders begabten Nachwuchs an den oberösterreichischen Landesmusikschulen, der Akademie für Begabtenförderung sowie der OÖ Tanzakademien wurde das Dr. Josef Ratzenböck-Stipendium ins Leben gerufen. Es werden 20 Stipendien zu jeweils 1500 Euro an Jugendliche (Höchstalter 19 Jahre) vergeben. 

Einsendeschluss für die Bewerbung ist der 30. Juli 2017. Zugelassene Bewerber und Bewerberinnen werden im Herbst zu einer Präsentation ihres Könnens eingeladen, anhand derer die Stipendien vergeben werden.Informationen über Teilnahmevoraussetzungen, Ablauf und Einsendeadresse auf: www.landesmusikschulen.at

Die besten Blasmusiker des Landes

Oberösterreich hat in allen fünf Leistungsstufen ausgezeichnete Kapellen. In der höchsten und schwierigsten Liga spielen derzeit die Blasmusik-Orchester von Bad Wimsbach-Neydharting, Haag am Hausruck, Leonding, Stadl-Paura, Steinerkirchen/Tr. und Vöcklabruck. Der Musikverein Lohnsburg am Kobernaußerwald ging als Sieger in der Leistungsstufe E beim landesweiten Orchesterwettbewerb 2016 hervor und ist damit aktuell Oberösterreichs beste Blasmusikkapelle. Von 23. bis 25. Juni feiert der Musikverein Lohnsburg sein 165-jähriges Bestandsjubiläum und lädt zum 60. Blasmusikfest des Bezirkes Ried – mit Festumzügen, Marschwertungen und musikalischer Unterhaltung im Festzelt: ried.ooe-bv.at

Musizieren kennt kein Alter

Die Seniorenmusikkapelle des Bezirkes Perg wurde 2013 von Karl Grufeneder, dem Landeskulturreferenten des OÖSB und Franz Heigl gegründet. Sie besteht aus derzeit 39 Musikern, die langjährige musikalische Praxis haben und aus 17 verschiedenen Ortsgruppen des Bezirkes Perg stammen.

Für Fans der Blasmusik

Von 11. bis 16. Juli 2017 findet in Schladming und Haus im Ennstal die Mid Europa Schladming-Dachstein statt – das österreichische Blasmusik-Festival. Tausende Musiker aus vielen Nationen geben ihr Können in Hallen-, Kirchen- und Open-Air Konzerten zum Besten. Natürlich sind auch oberösterreichische Kapellen mit dabei: www.mideurope.at 

Im Innenhof der kaiserlichen Hofburg finden heuer bereits zum 23. Mal von 3. bis 30. Juli die Innsbrucker Promenadenkonzerte statt. Österreichische und europäische Blasmusik-Orchester und Ensembles von Weltrang präsentieren Werke der Kunstmusik: www.promenadenkonzerte.at

Bei den Internationalen Tagen der Blasmusik in Vöcklabruck von 16. bis 22. Oktober 2017 treffen sich Blasmusiker zu Fachgesprächen und Workshops. Konzertbewerbe vor Publikum finden am 20., 21. und 22. Oktober (Abschlusskonzert) statt: www.ooe-bv.at

Der Dirigent und Klarinettist, Prof. Walter Rescheneder, ist der Blasmusik tief verbunden. Seit 1991 steht er als Landeskapellmeister dem Oberösterreichischen Blasmusikverband vor, seit 2004 ist er Bundeskapellmeister des Österreichischen Blasmusikverbandes.
Rescheneder war 15 Jahre Landesmusikdirektor von Oberösterreich (© Christian Herzenberger).