Kommen Sie gut an!

Mit Risikobewusstsein und Vorsicht sicher unterwegs im Straßenverkehr.

Die Zahl der bei Verkehrsunfällen Verletzten und Getöteten ist österreichweit rückläufig und dennoch ist sie hoch. 2016 wurden in unserem Bundesland im Straßenverkehr 89 Menschen getötet und Tausende verletzt. Besonders häufig betroffen sind neben Jugendlichen Ältere. 

Wer zu Fuß unterwegs ist, trägt ein besonderes Risiko, schwer verletzt zu werden, denn der Mensch steht dem Unfallgegner Auto ungeschützt gegenüber.

Als Risikosituation Nummer 1 gilt das Überqueren der Fahrbahn und zwar nicht nur an ungeregelten Stellen. Rund ein Viertel aller Fußgängerunfälle passieren auf Schutzwegen, wie das Land OÖ meldet. Grundsätzlich müssen Autofahrer Fußgängern das gefahrlose Überqueren der Straße am Schutzweg ermöglichen –Fußgänger tun aber gut daran, sich nicht blind auf ihren Vorrang zu verlassen oder ihn gar zu erzwingen. Auch weil es für Autofahrer nicht immer einfach ist, die Situation vor dem Schutzweg rechtzeitig richtig einzuschätzen. Bei Dunkelheit und schlechten Sichtverhältnissen werden Fußgänger manchmal schlicht übersehen.

Helle und reflektierende Kleidung schützt Fußgänger in der Dunkelheit davor, übersehen zu werden.

Ein dunkel gekleideter Mensch kann vom Autofahrer tatsächlich erst ab 25 Metern gesehen werden, häufig zu spät für die Notbremsung. Mittels reflektierender Kleidung erhöht sich die Sichtbarkeit auf 150 Meter. Dies kann lebenswichtig sein, insbesondere wenn man zu Fuß auf Überlandstraßen unterwegs ist.

Auch Hör- oder Sehprobleme, die im Alter häufiger auftreten, können zu brenzligen Situationen führen, deshalb raten Experten regelmäßig Seh- und Hörhilfen anpassen zu lassen. Schließlich wird man mit zunehmendem Alter insgesamt langsamer, die Reaktionsgeschwindigkeit und das Tempo nehmen ab. Man kann sich weniger rasch aus der Gefahrenzone bringen – umso wichtiger ist Vorsicht.

Insbesondere in der Stadt legen ältere Menschen viele Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Auch da kann man ein Risiko vermeiden und nach Möglichkeit der Drängelei zu den Stoßzeiten ausweichen. 

Unfälle passieren oft auch aus Eile. Wer rechtzeitig weggeht, hat keinen Stress und ist damit sicherer unterwegs.

Senioren stehen immer wieder im Verdacht, keine guten Autofahrer zu sein. Das stimmt so nicht, wie Verkehrsexperten betonen. Mehr Erfahrung, größere Vorsicht und diszipliniertes Verhalten, was Alkohol und Tempolimits betrifft, gleichen aus, was das Alter an Einschränkungen mit sich bringen kann. Viele Senioren beschränken ihre Autofahrten im Lauf der Zeit auf bestimmte Fahrten: zum Einkaufen, zum Arzt, zum Essen, ins Vereinslokal, zu Veranstaltungen – und dazu ist besonders am Land das Auto oft unbedingt notwendig.

Die meisten älteren Autofahrer haben laut einer Umfrage des ÖAMTC ein gutes Gefühl für ihre Voraussetzungen und handeln danach: Ein Drittel verzichtet beispielsweise auf lange Fahrten, auf Fahrten bei schlechtem Wetter und Dunkelheit – was übrigens auch jüngere, ungeübte Autofahrer tun. 

Wer den Eindruck hat, mit dem Autofahren nicht mehr gut zurecht zu kommen oder immer wieder in brenzlige Situationen gerät, sollte sich aber im eigenen Interesse der Frage stellen, wie es um seine Fahrtauglichkeit steht und dazu zunächst seinen Arzt konsultieren. Zu befürchten ist dabei nichts – Ärzte unterliegen dem Verschwiegenheitsgebot – und manche Dinge, etwa mangelnde Sehleistung, lassen sich leicht korrigieren.

Auch kann es sein, dass das Auto, das bisher gut zu einem passte, im Alter nicht mehr passt. Automatik anstelle von Gangschaltung, erhöhte Sitzposition und Einparkhilfe können den Fahrer unterstützen. 

Schließlich bieten Autofahrerclubs Trainings speziell für ältere Autofahrer an, bei denen man Fahrtechnik und Wissen auf den neuesten Stand bringen kann.

 

 

„Bleibt dran!“

Das rät Andreas Pazourek, Leiter der ÖAMTC-Verkehrssicherheitsaktion "Mobil sein – mobil bleiben“ älteren Autofahrern und Autofahrerinnen.

Unabhängig vom Lebensalter halten sich die meisten Autofahrer für gute Lenker. Wann sollte man die Fahrtauglichkeit hinterfragen?

Andreas Pazourek: „Handlungsbedarf hat man, wenn sich die ‚Fast-Unfälle‘ häufen, also Situationen, bei denen man sagt: ‚Das war aber jetzt knapp. Da hab‘ ich aber noch einmal Glück gehabt.‘ Oder wenn man bemerkt, dass man Schwierigkeiten auf gewohnten Strecken oder bei einfachen Manövern hat, bei der Garagenausfahrt zum Beispiel. Oder wenn die Familie sagt, ‚Du Papa, du Oma, ich mache mir Sorgen, wenn du mit dem Auto fährst.‘ Da sollte man selbstkritisch sein und im eigenen Interesse beim Arzt die Fahrtauglichkeit überprüfen lassen.“

Obwohl Autofahren ein klassisches Männerthema ist, sind 50 % der Teilnehmer bei den speziellen ÖAMTC Fahrtechniktrainings für über 60-Jährige Frauen.

Andreas Pazourek: „Ja, in der Pension leisten sich viele Paare oft nur mehr ein Auto, und das fährt in dieser Generation traditionellerweise meistens der Mann. Die Frauen, die zu uns kommen, sagen dann: ‚Ich bin zehn Jahre nicht gefahren, weil immer der Mann gefahren ist, und jetzt traue ich mich nicht mehr.‘ Ich kann da nur sagen: Bitte fahrt beide! Soll einer hinfahren, der andere zurück! Viele geben da zu früh auf, verlassen sich auf den Partner, manchmal auch die Partnerin. Aber sie könnten in die Situation kommen, plötzlich ans Steuer zu müssen, wenn es dem anderen schlecht geht und sind dann nervös – keine gute Voraussetzung für sicheres Fahren.“

Wenn man nur selten am Steuer sitzt, wie kommt man wieder rein ins Fahren?

Andreas Pazourek: „Wichtig ist, dass man sich nicht nur alle zwei Wochen ins Auto setzt, sondern kontinuierlich fährt, dann stellt sich langsam wieder Routine ein. Ich muss ja nicht gerade zur Rush Hour fahren. Senioren können wählen, wann sie fahren. Ich rate: Fahrt,  wenn Ihr Euch wohl fühlt, wenn es Euch gut geht und bleibt dran! Und wer sich überfordert fühlt, sollte sich ein paar Stunden in der Fahrschule leisten. Der Fahrlehrer kann jederzeit eingreifen, das gibt Sicherheit.“

Moderne Autos unterstützen die Fahrer mit vielen technischen Raffinessen. Um sie nützen zu können, muss man sich damit auskennen. Informiert Ihr Training auch darüber?

Andreas Pazourek: „Natürlich. Die Autos haben heutzutage viele elektronische Helferlein - die Bedienungsanleitungen sind ein paar hundert Seiten stark. Viele wissen nicht genau, was das Auto alles kann und wie man diese Funktionen nützt, und man kann das auf der Straße schwer ausprobieren. Beim Training am ÖAMTC Gelände dürfen Sie die Fehler machen, die auf der Straße nicht geschehen dürfen. Sie sind damit für kritische Situationen gewappnet.“

Der ÖAMTC nennt die wichtigsten Punkte, auf die speziell ältere Autofahrer achten sollten:

Wesentlich für Sicherheit am Steuer ist gutes Sehen, also ein optimaler Sehbehelf mit guter Entspiegelung. Wer weiß, dass er bei Dämmerung und Dunkelheit schlechter sieht, sollte Nachtfahrten vermeiden. Auch wer das Gefühl hat, mit Situationen im Straßenverkehr nicht mehr zurechtzukommen oder mit neuen Wegen überfordert zu sein, sollte das Auto lieber stehenlassen. Dies gilt – altersunabhängig – auch dann, wenn man krank ist. Fühlt man sich körperlich schlecht, sind Reaktionsfähigkeit und Konzentration herabgesetzt. Sogar ein Schnupfen kann tückisch sein: Bei heftigem Niesen schließt man nämlich die Augen für kurze Zeit. Fährt man mit 50 km/h, legt man während des Niesens ca. 28 Meter zurück.

Manche Medikamente können die Fahrtüchtigkeit einschränken, wer dennoch fährt und einen Unfall baut, macht sich strafbar und es besteht das Risiko, dass die Kaskoversicherung aussteigt. Gerade wenn man bereits andere Einschränkungen hat, ist es keine schlechte Idee, den Risikofaktor Alkohol gänzlich zu vermeiden.

 

Tipp: Mobil sein – mobil bleiben
Das ÖAMTC-Fahrtechniktraining für mobile Menschen ab 60.

Ein Tag für Menschen, die Freude am Autofahren haben und ein interessantes Training  erleben wollen. Die Teilnehmer erfahren, wie sie die Sicherheitsfunktionen moderner Autos am besten einsetzen und können gefahrlos trainieren, wie sie in kritischen Situationen richtig reagieren. 

Mehr darüber auf www.oeamtc.at/mobilsein, Tel. 02253/8170032061, E-Mail: mobilsein(at)oeamtc.at