Maschinen und Menschlichkeit

Roboter in der Pflege – in Österreich laufen erste Pilotprojekte.

In japanischen Pflegeeinrichtungen sind Roboter zur Unterstützung von Personal und Bewohnern bereits Realität. In Österreich laufen erste Pilotprojekte – von der Robbe Paro – die im Sinne der tiergestützten Therapie eingesetzt wird, bis hin zu Robotern, die Ältere vor Stürzen bewahren und sie zum Beispiel mit Spielen, Übungen oder Filmen unterhalten. Geht es nach den Forschern, soll der Roboter zum Freund und Gefährten des Menschen und soweit „vermenschlicht“ werden, dass eine „Beziehung“ zwischen ihm und der Maschine möglich wird. Dies alles soll schließlich nicht nur helfen, den Aufwand für die Altersversorgung zu reduzieren, sondern soll auch Wohlbefinden, Sicherheit und Lebensqualität älterer Menschen erhöhen.

Wie sieht die Leiterin des OÖ Hilfswerks, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich mit alten Menschen zu tun haben, diese Entwicklung?

Dr. Viktoria Tischler: „Tatsache ist, dass einer steigenden Anzahl von Menschen, die ihren Alltag nicht mehr selbst bewältigen können, sei es durch Alter, Krankheit oder Verletzung, eine bald nicht mehr ausreichende Zahl an Pflegekräften gegenübersteht. Personalressourcen sowie finanzielle Mittel stoßen langfristig an Grenzen. Das bedeutet, dass sich die Pflege und Betreuung weiterentwickeln muss. Helfende und unterstützende Tätigkeiten können in Zukunft sicherlich auch von Maschinen bzw. Geräten ausgeführt werden, den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch, den auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des OÖ Hilfswerks tagtäglich leben, können Roboter mit Sicherheit auch in Zukunft nicht ersetzen.“

In welchen Bereichen könnten Maschinen die Pflege sinnvoll ergänzen?

Dr. Viktoria Tischler: „Bereits jetzt sind Maschinen in der Pflege bzw. Betreuung von alten oder kranken Menschen im Einsatz, aber eben auf subtile Art und Weise. Treppenlifte oder Hebehilfen ersetzen keine menschlichen Pfleger oder Pflegerinnen, sie unterstützen und entlasten. Auch beispielsweise mit Notrufzentralen vernetzte Armbänder oder Rauchmelder sind sinnvolle Utensilien, die in Zukunft in vielen Wohnungen, aber auch Pflegeheimen Einzug halten werden. Durchsetzen werden sich Roboter oder Geräte, die nicht direkt mit den Menschen arbeiten, sondern das Pflegepersonal oder pflegende Angehörige unterstützen, damit ihnen mehr Zeit bleibt, sich menschlich und herzlich um Betroffene zu kümmern.“

Wie wird sich der Pflegebereich in Oberösterreich in den nächsten Jahren insgesamt entwickeln? Mehr in Richtung Heim? Oder in die mobile Pflege? 

Dr. Viktoria Tischler: „Wir wissen aus Umfragen, dass etwa 85 Prozent der Menschen ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen wollen. Dieser Wunsch ist nachvollziehbar, trägt der Verbleib im eigenen Zuhause doch stark zum Wohlbefinden und somit der Lebensqualität bei. Durch leistbare 24-Stunden-Betreuung, mobile Therapieangebote, ambulante Einrichtungen für verschiedenste Aktivitäten oder Hilfeleistungen wie sie das OÖ Hilfswerk anbietet und nicht zuletzt auch durch den vermehrten Einsatz von technischen Hilfsmitteln wird die Pflege und Betreuung im eigenen Zuhause oder auch in betreuten Wohnprojekten in Zukunft sicherlich noch mehr Bedeutung gewinnen.“

Gastkommentar: Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer

Die Pflege gehört bereits jetzt zu den großen politischen Aufgaben und sie wird mit der demografischen Entwicklung noch wichtiger werden. Bis zum Jahr 2040 wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Oberösterreich von derzeit rund 76.000 Menschen auf 125.000 Menschen erhöhen. Viele dieser Menschen wünschen sich, in den eigenen vier Wänden älter werden zu können. Das stellt unser Pflegesystem auf eine Probe.

Jede Entlastung für die berufstätigen Pflegerinnen und Pfleger und die vielen pflegenden Angehörigen können wir daher mehr als begrüßen. Und zu dieser Entlastung können technische Entwicklungen einen wertvollen Beitrag leisten. Die Pflege hat in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass Maschinen keine Vision mehr sind und intelligente Technik im Pflegealltag mittlerweile eine große Unterstützung bieten, etwa bei schweren körper-lichen Tätigkeiten oder bei der Gefahrenerkennung.

Selbstverständlich kann eine Maschine den Menschen in der Pflege nicht ersetzen. Schließlich bedeutet Pflege vor allem Vertrauen, Einfühlungsvermögen und ein offenes Ohr für die Betroffenen. Ziel muss es vielmehr sein, die neuen technischen Möglichkeiten und digitalen Dienste zu nutzen, um die Pflegekräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen und dadurch mehr Freiräume für die soziale Zuwendung schaffen zu können.

Qualitativ hochwertige Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen! In Oberösterreich machen wir uns daher rechtzeitig Gedanken darüber, wie wir diese Bedingungen schaffen und sichern können. Es ist ein gutes Zeichen, dass sowohl Pflegekräfte als auch Betroffene den technischen Entwicklungen im Pflegebereich viel Interesse und Offenheit entgegenbringen. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, diese neuen Wege zu gehen, um Oberösterreich zu einem Land der Möglichkeiten zu machen.

Mag. Dr. Viktoria Tischler ist Geschäftsführerin der OÖ Hilfswerk GmbH und Vorsitzende des Fachausschusses für Soziales und Pensionsangelegenheiten beim OÖ Seniorenbund.