Diese Maßnahmen dulden keinen Aufschub mehr!

Das Thema Pflege ist eine, wenn nicht sogar „die“ Zukunftsherausforderung für unsere Gesellschaft.

Die Hochbetagten (85+) werden allein in Oberösterreich von derzeit rund 37.000 bis 2040 auf fast 70.000 zunehmen. „Es ist sehr positiv, dass dieses Thema, auch dank des OÖ Seniorenbundes, nun ganz oben auf der Agenda der Landes- und Bundespolitik steht“, so Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer. Anlässlich des Tages der Pflege am 12. Mai, fordert er nun, dass den Worten rasch Taten folgen, wobei vor allem folgende 6 Maßnahmen keinen Aufschub mehr dulden:

1. Attraktivierung des Pflegeberufs: 
Schon heute fehlt in der stationären und mobilen Pflege qualifiziertes Personal, ein Zustand, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. „Daher darf es in diesem Bereich kein Zuwarten mehr geben, sondern es braucht sofort Initiativen, um diesen Beruf attraktiver zu machen“, so Pühringer. Sehr positiv sei, dass die Landwirtschaftlichen Fachschulen künftig eine Pflege-Ausbildung anbieten. Bereits jetzt in der Pflege Beschäftigte sollen durch einen radikalen Bürokratieabbau, v.a. bei der Dokumentation, entlastet werden, „denn die Pfleger sollen sich um Menschen, nicht um Akten kümmern“, fordert Pühringer.

 2. Bessere Unterstützung für pflegende Angehörige: 
84% aller zu Pflegenden werden zu Hause betreut, zu ca. zwei Drittel auch ohne Zuhilfenahme mobiler Dienste. Fast eine Million Menschen in Österreich sind pflegende Angehörige. Diese müssen deutlich besser unterstützt werden und zwar durch den Ausbau der mobilen Dienste sowie die Schaffung von mehr Tages- und Kurzzeitplätzen in den Heimen. Außerdem müssen diese zu günstigeren Preisen zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus soll es eine automatische Pensionsversicherung für alle pflegenden Angehörigen geben und im Zuge der Steuerreform auch ein Bonus für pflegende Angehörige diskutiert werden.

3. Erhöhung des Pflegegeldes in allen Stufen: 
Der OÖ Seniorenbund begrüßt die Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe 3 (statt wie ursprünglich geplant ab Stufe 4), plädiert aber weiterhin für eine Erhöhung auch in den Stufen 1 und 2. „Denn die unteren Stufen sind es, die die Pflege zu Hause betreffen und diese braucht eine Aufwertung und Wertschätzung, auch finanziell“, so Pühringer.

4. Höherbewertung der Demenz bei der Pflegegeldeinstufung: 
Demenz muss künftig bei der Pflegegeldeinstufung höher bewertet werden. Denn die aktuelle Bewertung mit 25 Stunden extra ist, insbesondere bei stärkerer Demenz, bei Weitem nicht ausreichend.

5. Gesetzlich verpflichtende Zertifizierung von Vermittlungsagenturen für die 24-Stunden-Betreuung: 
Aktuell ist es äußerst schwierig, sich im Agenturdschungel zurecht zu finden, denn diese arbeiten ohne einheitliche Standards. Das aktuell geplante freiwillige Gütesiegel ist dem OÖ Seniorenbund deutlich zu wenig. „Wir fordern eine verpflichtende Zertifizierung der Agenturen. Denn nur so kann ein hoher Standard in der Pflege gewährleistet werden und das sind wir unseren älteren Mitbürgern schuldig“, erklärt Pühringer.  

6. Offene Diskussion über die Finanzierung der Pflege: 
Bleibt der derzeitige Pflegemix aus stationärer Pflege und Pflege in der Familie, werden die Kosten lt. WIFO bis 2030 um ca. 80 % und bis 2050 um 330 % ansteigen. Pühringer fordert daher in diesem Zusammenhang eine Diskussion ohne Scheuklappen. „Auch über Modelle wie Pflegeversicherung oder Pflegekonto muss ohne Tabus diskutiert werden – es darf keine Denkverbote geben, denn das Thema ist zu dringend und zu ernst.“

 

Aus Anlass des Internationalen Tages der Pflege dankt Pühringer allen in der Pflege Tätigen, die in diesem herausfordernden Beruf jeden Tag für die älteren Menschen zur Verfügung stehen, für ihre Arbeit und ihren Einsatz. Ein ganz großer Dank gilt aber natürlich auch all jenen, die sich zu Hause um ihre Angehörigen kümmern und es ihnen so auch ermöglichen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu verbleiben.

Der „Internationale Tag der Pflege“ wird seit 1967 jedes Jahr am 12. Mai begangen, mit dem Ziel, die Leistungen der Menschen in Pflegeberufen in den Mittelpunkt zu rücken, ihre Arbeitssituation zu verbessern und auf Missstände im Pflegesystem hinzuweisen. Der 12. Mai ist der Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (1820 bis 1910), die als Begründerin der professionellen Krankenpflege gilt.

Bildquelle: sasirin pamai/Shutterstock.com



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