Pflege duldet keinen Aufschub mehr

2019 muss das Jahr der Pflege werden!

„Der Worte sind genug gewechselt, jetzt müssen Taten folgen – für kaum einen Bereich gilt dieses Sprichwort mehr als für den Pflegebereich. 2019 muss tatsächlich das Jahr der Pflege werden“, erklärt Seniorenbund Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer aus Anlass des Jahreswechsels.  

Nicht, dass 2019 das Pflegeproblem in seiner großen Tragweite und Diffizilität im Gesamten gelöst werden könnte, aber es muss zumindest in entscheidenden Bereichen zu großen Weichenstellungen kommen:

1. Im Personalbereich: Schon heute fehlen qualifizierte Pflegekräfte in der stationären und mobilen Pflege. Dieser Zustand verschärft sich dramatisch und in den nächsten Jahren. Es muss daher rasch gelingen, mehr junge Leute für den Pflegeberuf zu begeistern. „Egal, ob Lehrberuf Pflege oder andere Modelle – im Hinblick auf das radikale Anwachsen der Hochbetagten in Österreich muss sofort gehandelt werden“, unterstreicht Pühringer. Der Personenkreis 80+ nimmt in Österreich von 436.000 (2017) auf 636.000 im Jahr 2030 auf 1.084.000 im Jahr 2050 zu. Es wird nicht jeder ein Pflegefall sein, aber leider doch ein beachtlicher Teil. „Da darf es kein Zuwarten mehr geben, sondern da braucht es sofort Initiativen. Der Pflegeberuf muss intensiv beworben, aber auch in vielen Punkten für junge Leute attraktiver gestaltet werden“, so Pühringer weiter.

2. Es braucht Wertschätzung und Hilfe für pflegende Angehörige: 84 % der Pflegebedürftigen in Österreich werden zu Hause betreut, 32 % nehmen mobile Hilfe in Anspruch, bei 45 % erfolgt die Pflege nur durch Familienangehörige ohne fremde Hilfe. In Österreich sind fast eine Million Menschen pflegende Angehörige. „Diesen Schatz müssen wir pflegen“, betont Pühringer, der vor allem namens des OÖ Seniorenbundes folgende Sofortmaßnahmen für die pflegenden Angehörigen fordert:

- Ausbau der mobilen Pflegehilfen

- Mehr Tagesplätze in den Heimen zur Entlastung der pflegenden Angehörigen

- Pflegegeld-Erhöhung auch für die Stufen I-III, die insbesondere die pflegenden Angehörigen betreffen

Des Weiteren weist Pühringer auch darauf hin, dass unter den rund eine Million „Pflegern“ in der eigenen Familie rund 50 % in Pension sind. Senioren sind also nicht nur die zu Pflegenden, sondern in hohem Maße auch die Pfleger.

3. Eine offene Diskussion über die Finanzierung ist dringend erforderlich: Bleibt der Pflegemix, wie er derzeit ist, zwischen stationärer Pflege und Pflege in der eigenen Familie, werden die Kosten bis 2030 um ca. 80 % und bis 2050 um mehr als 330 % ansteigen, weil dann die Babyboomer-Genreration in das „Pflegealter“ kommt. Pühringer fordert in diesem Zusammenhang eine Diskussion ohne Scheuklappen. „Auch über Modelle wie Pflegeversicherung oder Pflegekonto muss ohne Tabus diskutiert werden – es darf keine Denkverbote geben“, so Pühringer, denn das Thema sei zu dringend und zu ernst. „Insbesondere dieses Thema duldet keinen Aufschub mehr“, unterstreicht Pühringer nochmals.



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