Verfassungsgerichtshof überträgt Parlament Mammutaufgabe

Der OÖ Seniorenbund zeigt sich bestürzt über die VfGH-Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes in Bezug auf die Legalisierung der Sterbehilfe!

„Mit großem Unverständnis und Bestürzung hat der OÖ Seniorenbund die Erkenntnis zur Kenntnis genommen, dass in Zukunft die Beihilfe zur Selbsttötung legalisiert wird. Wir müssen die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes zur Kenntnis nehmen, können sie aber nicht nachvollziehen – für uns ist das ein Damm- und Kulturbruch zugleich! Denn ab jetzt ist menschliches Leben nicht mehr bedingungslos wertvoll und als solches geschützt. “, stellt Landesobmann des OÖ Seniorenbundes LH a.D. Dr. Josef Pühringer die Entscheidung des Verfassungsgerichthofes in Frage.

 „Der Verfassungsgerichtshof hat aber den Auftrag an das Parlament mitgegeben, Missbrauch zu verhindern und hat damit dem österreichischen Parlament eine Mammutaufgabe übertragen. Maßnahmen, damit Betroffene - von Druck unbeeinflusst - entscheiden können. Da wünsche ich den Abgeordneten viel Glück, denn ob das geht, bezweifle ich heftig!“, betont Pühringer. „Denn gibt es einmal die Möglichkeit in besonders schwierigen Situationen mit Hilfe von anderen das Leben zu beenden, wächst natürlich der Druck auf schwerkranke Hochbetagte oder behinderte Menschen. Als Landesobmann des Seniorenbundes und Interessensvertreter der Älteren appelliere ich an alle Abgeordneten des Nationalrates und Bundesrates ihren diesbezüglichen Spielraum extensivst zu nützen! Es darf ja nicht übersehen werden, dass der freie Wille bei Schwerstkranken und Hochbetagten, die womöglich unter Depressionen oder ähnlichem leiden, nur sehr schwer erkundbar ist. Es darf kein Erwartungsdruck entstehen, es darf die Frage nie und nimmer gestellt werden, auch nicht indirekt – steht so ein Leben, wie du es leben kannst, noch für die Kosten, die es verursacht? Solche Zeiten haben wir hinter uns!“ hebt Pühringer die Gefahr hervor, menschliches Leben zu bewerten und Druck auf Betroffene auszuüben.

„Zudem fordern wir als Seniorenbund den weiteren bedarfsgerechten Ausbau der Palliativmedizin und die Förderung der Hospizbewegung mit ihren wertvollen Angeboten.“, so der Landesobmann der Seniorenvertretung weiter. „Wir verkennen nicht, dass Menschen in ausweglosen Situationen verzweifeln, lebensmüde werden und keinen Sinn mehr im Weiterleben sehen. Wir verurteilen niemanden, der in solchen Notsituationen verzweifelt sich das Leben nimmt. Aber es ist ein grundlegender Unterschied, Hilfe zum Suizid in das reguläre Gesetzeswerk aufzunehmen – denn da entsteht natürlich, der schon erwähnte, Druck auf die so genannten „Kostenverursacher“. Aber in existenziellen Nöten braucht der Mensch nicht den, der ihm hilft, aus dem Leben zu treten, sondern jene, die ihn trösten, die ihm beistehen, die die beste Schmerztherapie verabreichen, die begleiten und menschliche Nähe geben und die seelsorgliche Begleitung leisten. Das ist die richtige Antwort auf Angst und Hoffnungslosigkeit. Nicht das Helfen beim Töten! Bei den meisten Betroffenen ist es darüber hinaus, nämlich nicht körperlicher Schmerz, vielmehr ist es psychische Belastung und Hoffnungslosigkeit, die zur Suizidentscheidung führen.“, zeigt Pühringer Verständnis für Betroffene, weist aber auch daraufhin, dass in der Hospiz- und Palliativmedizin der Schlüssel in einer guten Sterbebegleitung liegt. Außerdem gibt auch noch die Patientenverfügung.

Abschließend appelliert Pühringer nochmal an die Abgeordneten des Parlaments, es sich bei dieser heiklen Entscheidung nicht leicht zu machen.

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