Die Natur als Wetterbote

Wir müssen wieder lernen, das Wetter zu fühlen und zu spüren!

 

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„Wenn ich wissen will, wie das Wetter wird, schaue ich auf keine App am Handy, sondern aus dem Fenster. Ich beobachte den Himmel, deute Wind und Wolken und höre auf meinen wetterfühligen Körper und den Hausverstand“, sagt Hans Gessl.
Der als „Wetterhans“ bekannte Grieskirchner greift damit auf die Erfahrungsschätze unserer Vorfahren zurück und bezeichnet diese als Ergänzung der digital-meteorologischen Prognosen für schnelllebige Tagesmedien. „Die Bauernregeln sind für mich die Vorläufer der Meteorologie. Da aber mit jedem alten Menschen auch eine Wetterregel stirbt, ist schon viel Wissen verloren gegangen“, sagt Gessl. 

 

Blühende Wetterboten

Um hier gegenzusteuern, gibt der Grieskirchner sein Wissen seit etlichen Jahren als Vortragender bei Wettertagen, Wetterstammtischen und Wetterschauen-Themenwanderungen weiter. Vor zwei Jahren hat Gessl als Erweiterung das Format „Blühende Wetterboten“ ins Leben gerufen. „Dabei geht es mir darum, den Menschen die sogenannten Zeigerpflanzen vorzustellen beziehungsweise diese ihnen wieder näher zu bringen“, erklärt der Wetterhans und verweist auf die bunte Vielfalt dieser blühenden Wetterboten. 

„Das Veilchen beispielsweise gilt als Frühlingsfühler, der Flieder als Erntewetterbote, die Tulpe als biologisches Wetterhirn, Disteln als Bio-Hygrometer und die Königskerze als treffsicherer Winterbote. „Denn wie die Königskerze blüht, so der Winter wird“, sagt Hans Gessl und wird konkreter: Beobachten Sie im Sommer die Blütenspitze der kleinblütigen Königskerze, die auch Wetterkerze genannt wird. Neigt sich der Blütenstängel nach Westen kommt Regen. Zeigt er nach Osten, wird es ein sonniger Tag“, so Gessl. Die Wetterkerze sage auch langfristig das Wetter voraus. Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette. Liegen die Blätter im unteren Teil sehr dicht beieinander, wird es wohl schon zeitig Schnee geben. Liegen die Blätter hingegen im oberen Teil dicht aneinander, kann zum Jahresanfang mit Schnee gerechnet werden.

„Ob Mensch, Tier oder Pflanze – alles was lebt, ist wetterfühlig.“

Begeistert ist Gessl auch von der Ringelblume, lateinisch durchaus treffend Calendula genannt. „Wenn sich die Blüten in den frühen Vormittagsstunden nicht öffnen, gibt es Regen. Bei sonnigem Wetter hingegen zeigen sich die leuchtend gelben oder orangen Strahlenblüten zu Dutzenden und bezaubern durch ihre natürliche Schönheit“, schwärmt Gessl. 

Es ist aber nicht nur das uralte Wissen um die blühenden Wetterboten, das Hans Gessl am Herzen liegt. Er möchte in den Menschen auch das Gespür für das Wetter wieder erwecken. „Wir müssen wieder lernen, das Wetter zu fühlen und zu spüren. Wetterfühligkeit beispielsweise kann durchaus als positives Instrument eingesetzt werden“, sagt Gessl, der uns einen langen und kalten Winter voraussagt und zum Abschluss folgenden Tipp parat hat: „Weniger auf die Wetter-App schauen, sondern die Nase in den Wind halten.“

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Der Wetterhans auf Stelzhamers Spuren

Hans Gessl beschäftigt sich nicht nur mit dem Wetter, sondern seit mehr als 30 Jahren auch mit den Werken von Franz Stelzhamer. „Die meisten Landsleute kennen von Stelzhamer nur den Text der oberösterreichischen Landeshymne und auch hier maximal zwei oder drei Strophen. Dabei hat der Innviertler Poet rund 2000 Werke vom Zweizeiler bis zum großen Drama geschrieben“, sagt Hans Gessl. Er möchte den heuer anstehenden 145. Todestag Stelzhamers zum Anlass nehmen, dessen Werke bei einer „Stuben Roas“ unter die Leute zu bringen. „Wobei der Begriff Stube beispielhaft zu verstehen ist. Urbane Wohnzimmer sind damit genauso gemeint wie Kapellen, Wirtsstuben und Gastzimmer mit Platz für mindestens 20 Besucher“, erklärt Gessl, der für diese Veranstaltungsreihe 53 zeitlose Vierzeiler aus der Feder Stelzhamers im Miniatur-Büchlein „Gevierzeilt“ gesammelt hat. 

Nähere Infos zu Hans Gessls Vorträgen und zur „Stelzhamer Stuben Roas“ unter 07248/64788 und gessls(at)gmx.at.

Der Grieskirchner Hans Gessl hat sich als „Wetterhans“ einen Namen gemacht und nutzt für seine „ganzheitlichen Wetterdiagnosen“ neben den meteorologischen Instrumenten die damals überlebenswichtigen Beobachtungsmethoden unserer Vorfahren.


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