Wir fordern Pensionsversicherung für alle pflegenden Angehörigen

Pflegende Angehörige müssen deutlich besser abgesichert und unterstützt werden!

Im Rahmen seiner Klausur hat der Landesvorstand des OÖ Seniorenbundes intensiv über das Thema Pflege diskutiert, wobei die Entlastung und Unterstützung der pflegenden Angehörigen im Fokus stand. 

Aktuell haben pflegende Angehörige ab Pflegegeld-Stufe 3 zwei Möglichkeiten zur Vermeidung von Pensionslücken – die Selbst- und die Weiterversicherung. Um für diese eine bessere Absicherung für die Pension zu erreichen und die Pflege zu Hause auch finanziell attraktiver zu machen, fordert der OÖ Seniorenbund eine Pensionsversicherung aufgrund der Pflege eines nahen Angehörigen. Diese sollte wie folgt aussehen:

  • Kostenlose Versicherung in der Pensionsversicherung bereits ab Pflegegeld-Stufe 1, um die unterschiedliche Intensität der Pflegearbeit zum Ausdruck zu bringen und entsprechend in der Beitragsleistung abzubilden. 
  • Abstufung der zuzuordnenden Beitragsgrundlage entsprechend der Pflegestufe.
  • Keine Erwerbseinschränkung, um potenziellen pflegenden Angehörigen die Entscheidung für die Pflege zu erleichtern, da sie sich nicht mehr zwischen Pflege und Erwerbstätigkeit entscheiden müssen. 
  • Keine Unterscheidung, ob vor Erbringung der Pflege Erwerbstätigkeit vorliegt oder nicht.
  • Die Versicherung auch für Pensionsbezieher ermöglichen (jährliche Neuberechnung), damit für die gleiche Tätigkeit auch die gleiche Versicherungsmöglichkeit besteht.

„Die Familie ist der größte Pflegeplatz in unserem Land, ohne pflegende Angehörige würde das System sofort zusammenbrechen. Viele müssen für die Pflege Angehöriger beruflich kürzer treten und finanzielle Einbußen, vor allem auch in der eigenen Pension, hinnehmen. Daher ist der Erwerb von Pensionsversicherungszeiten aufgrund der Pflege ein wichtiger Schritt zur finanziellen Absicherung sowie ein Zeichen der Wertschätzung der pflegenden Angehörigen“, betont Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer. 

 

Um die Pflege zu Hause aufzuwerten, fordert der OÖ Seniorenbund zudem:

1. Erhöhung des Pflegegeldes in allen Stufen sowie eine Höherbewertung der Demenz: 
„Die nun geplante Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe 3 ist ein wichtiger erster Schritt, wir fordern aber weiterhin auch eine Erhöhung des Pflegegeldes in den Stufen 1 und 2“, unterstreicht Pühringer. Da die Aufnahme in ein Altenheim erst ab Stufe 4 möglich ist, passiert die Pflege in den unteren Pflegegeld-Stufen zu Hause. Dass Demenz aktuell mit 25 Stunden extra bewertet wird, sei insbesondere bei stärkerer Demenz bei Weitem nicht ausreichend, so Pühringer.

2. Steuerlicher Bonus für pflegende Angehörige: 
Im Zuge der Diskussion um die Steuerreform, muss auch ein Bonus für pflegende Angehörige thematisiert werden, um diese finanziell zu entlasten.  

3. Spürbarer Ausbau mobiler Betreuungsangebote: 
Mobile Betreuungsangebote und tageweise/kurzzeitige Betreuungsmöglichkeiten müssen spürbar ausgebaut werden. Denn das entlastet die pflegenden Angehörigen und verhindert eine stärkere Inanspruchnahme der Alten- und Pflegeheime.

4. Gesetzlich verpflichtende Zertifizierung von Vermittlungsagenturen für die 24-Stunden-Betreuung: 
Aktuell ist es für Angehörige von Pflegebedürftigen äußerst schwierig, sich im Agenturdschungel zurecht zu finden, denn diese arbeiten ohne einheitliche Standards. Das aktuell geplante freiwillige Gütesiegel ist dem OÖ Seniorenbund aber deutlich zu wenig. „Wir fordern eine verpflichtende Zertifizierung der Agenturen. Denn nur so kann ein hoher Standard in der Pflege gewährleistet werden und das sind wir unseren älteren Mitbürgern schuldig“, erklärt Pühringer. 

5. Radikaler Bürokratieabbau in der Pflege, v.a. bei der Dokumentation im stationären und mobilen Bereich: 
„Die Pflegerinnen und Pfleger sollen sich um die Menschen und nicht stundenlang um Akten kümmern. Es muss genügend Zeit für die pflegerischen Tätigkeiten zu Verfügung stehen – Altenpflege statt Aktenpflege“, fordert Pühringer.

 

Ausdrücklich begrüßt wird vom OÖ Seniorenbund der Ausbau der Pflegeausbildung in den Landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschulen. Dieser Schritt sei besonders wichtig, denn er schließt die Ausbildungslücke und ermöglicht den jungen Menschen direkt den Weg in einen Pflegeberuf, erklärt Pühringer.

Darüber hinaus fordert der OÖ Seniorenbund auch im Zuge der geplanten Steuerreform eine Entlastung der Seniorinnen und Senioren. „Im Zuge der Steuerreform muss es vor allem auch faire Angebote für Kleinpensionisten geben“, betont Pühringer. Es sei sehr positiv, dass durch die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge mit Jänner 2020 insbesondere kleine Einkommen entlastet werden und davon auch viele Senioren profitieren. Bei Beziehern kleinerer Pensionen gehe das Einkommen fast 1:1 in den Konsum, was sich wiederum positiv auf die Mehrwertsteuer-Einnahmen auswirkt. Neben der steuerlichen Tarifsenkung sei es auch sehr wichtig, dass die kalte Progression abgeschafft wird. Denn diese relativiert Pensionserhöhungen häufig, frisst sie zur Gänze auf und führt in manchen Fällen sogar zu einer Verringerung der Pension.

 

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