Seniorendialog: Die Babyboomer kommen

Ist die Gesellschaft darauf vorbereitet?

In den nächsten Jahren gehen die geburtenstärksten Jahrgänge Österreichs, die sogenannten Babyboomer, in Pension. Der Pensionsantritt der Babyboomer wirkt sich aber nicht nur auf die Pensionen, sondern auch auf viele andere Bereiche aus. Ob unser Pensionssystem und die Gesellschaft insgesamt auf die Babyboomer vorbereitet sind, darüber diskutierte der OÖ Seniorenbund mit Experten beim heutigen Seniorendialog. 

Mit dem Thema – „Die Babyboomer kommen – ist die Gesellschaft darauf vorbereitet?“ – hat der OÖ Seniorenbund wohl eines der aktuellsten Themen aufgegriffen, mit dem sich die Politik und die Gesellschaft in den nächsten Jahren zu beschäftigen haben. Ein Thema, das in der politischen Diskussion und auch im gesellschaftlichen Diskurs heute zu Unrecht unterbelichtet ist. Neben Digitalisierung, Flexibilisierung, Globalisierung und Urbanisierung ist der demografische Wandel ein ganz entscheidender Megatrend für Gegenwart und Zukunft, darüber ist sich die Fachwelt weitestgehend einig. 

Und natürlich betrifft dieses Thema nicht nur Oberösterreich und Österreich – wie ein Artikel von Christoph Schmidt aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 2. Jänner 2019 zeigt: Mit dem sperrigen Fachbegriff „demografischer Wandel“ ist eine tiefgreifende Umwälzung unserer Gesellschaft und Wirtschaft verbunden. Zum einen ist er das Resultat von seit Jahrzehnten niedrigen Geburtenraten, zum anderen spiegelt er eine immer weiter steigende Lebenserwartung wider, so Christoph Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Bundesregierung. Unstrittig ist, eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung erhöht den Finanzbedarf der Sozialsysteme, vor allem der Renten- und Pflegversicherung. Und die Wirtschaft klagt über knapper werdende Arbeitsplätze. 

Und jetzt ein ganz entscheidender Satz in diesem Artikel: Die Wirtschaftsweisen beobachten mit Sorge, dass die Dimension der damit verbundenen Probleme in der Öffentlichkeit derzeit nicht richtig erkannt werden. Denn mit dem ansteigenden Renteneintritt der Babyboomer, der seinen Höhepunkt 2030 erreicht, wird die demografische Falle dann so stark wie nie zuschnappen. Die Wirtschaftsweisen sprechen von dringendem Handlungsbedarf. 

 

Conclusio für den Oberösterreichischen Seniorenbund 

Es greift weit zu kurz, wenn wir die Frage „Babyboomer“ ausschließlich auf die Fragen Arbeitsmarkt und Sicherheit unserer Pensionen beschränken. Denn die Babyboomer stellen nicht nur zahlenmäßig eine bedeutende demografische Größe dar, sondern sie verändern mit ihren Erwartungen und Vorstellungen die gesellschaftlichen Altersbilder sehr wesentlich. Von ganz entscheidender Bedeutung ist die Frage, wie sich die künftigen Lebenswelten älterer Menschen gestalten werden und welche Handlungsansätze zu einem sozial sicheren und gelingenden Altern beitragen können. 

Unbedingt muss aber auch die Frage gestellt werden, welche Chancen liegen in einer erhöhten Lebenserwartung für die Gesellschaft – und zwar in voller Breite! Von einer Stärkung des Arbeitsmarktes mit vernünftigen Altersarbeitsmodellen bis zu den großen Leistungen, die die „Babyboomer“ in das Ehrenamt einbringen können. 

Der Seniorenbund wird sich daher der gesellschaftlichen Gesamtveränderungen stellen, die eintreten wird – Gott sei Dank nicht plötzlich, sondern sukzessive. Diese Veränderungen werden nicht nur die typischen Seniorenthemen wie Pensionen, Pflege, Soziales, Kampf gegen Einsamkeit etc. betreffen, sondern genauso Fragen wie: 

  • Nahversorgung 
  • Medizinische Versorgung vor Ort 
  • Senioren als Konsumenten 
  • Tourismus 
  • Lebenslanges Lernen 
  • Mobilität im Alter 
  • Wohnformen im Alter 
  • Sicher Leben im Alten 

Die Alten von heute und morgen, sind nicht die Alten von gestern, schon gar nicht von vorgestern. Daher ist auch der Seniorenbund kein Veteranenverein, sondern ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft, der natürlich auch mitgestalten und mitentscheiden will. Dass wir eine politische Größe sind, beweist die Tatsache, dass die Generation 60+ vergangenen Sonntag rund ein Drittel der Wähler gestellt hat und dieser Anteil in den nächsten zwei Jahrzenten auf knapp 50 % wachsen wird. 

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v.l. Landesgeschäftsführer Mag. Franz Ebner, Dr. Franz Schellhorn (Direktor Agenda Austria), Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer, Prof. Dr. Bernd Marin (Direktor European Bureau for Policy Consulting and Social Research) (OÖ Seniorenbund).