Zertifizierung der Vermittlungsagenturen im Pflegebereich

Der OÖ Seniorenbund fordert rasche Verwirklichung des Qualitätszertifikats.

„Die Veröffentlichung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) der letzten Tage über ihre Erhebungen zu den Vermittlungsagenturen im Pflegebereich lassen bei uns alle Alarmglocken läuten“, betont Seniorenbund Landesobmann LH a.D. Dr. Josef Pühringer. „Denn im Bereich der 24-Stunden-Betreuung nehmen – wie von uns seit langem vermutet – neben sehr seriösen Anbietern, auch dubiose Unternehmen am Markt zu“. Neben sehr seriösen Einrichtungen, die vom VKI auch besonders hervorgehoben wurden (Caritas, Hilfswerk, Volkshilfe, etc.) sind unter den rund 800 (!!!) Agenturen am Markt auch viele, die nicht einmal online ordentlich über ihre Leistungen informieren.

Die stichprobenartige Vertragsprüfung hat ergeben, dass bei vielen Vermittlungsagenturen immense Intransparenz vorliegt, auch gravierende Qualitätsprobleme wurden festgestellt. Zurecht sieht es der VKI sehr kritisch, dass das Geld der Kunden nicht direkt an die Betreuungskraft, sondern aufgrund von Inkassovollmachten an die Betreuungsagenturen geht und oft ausländische Partneragenturen finanziell mitbeteiligt sind. Auch unzumutbare Konkurrenzklauseln müssen die Pflegerinnen und Pfleger unterschreiben, sodass ihnen Direktleistungen oder der Wechsel zu anderen Agenturen nur bei hohen Strafzahlungen möglich sind. Die Vermittlungsgebühren bei den getesteten Agenturen bewegen sich von einigen 100 bis 3.500 Euro, ebenso differenzieren die Betreuungskosten ganz wesentlich. Fraglich ist auch, ob in allen Fällen die Qualifikation der Betreuerinnen ausreichend ist, um wirklich eine qualitätsvolle Pflege zu erbringen.

„Das sind haarsträubende Zustände. Pflegebedürftige Menschen und Familien sind aber aufgrund der Personalnot, die auf diesem Sektor herrscht, solchen Agenturen praktisch ausgeliefert. Das Sozialministerium muss so rasch wie möglich, wie es ja mehrmals von Frau Sozialministerin Mag. Beate Hartinger-Klein angekündigt wurde, Zertifizierungen für die Vermittlungsagenturen einführen, auch wenn dies bei so vielen Agenturen natürlich schwierig ist. Zum einen muss die Qualität der Pflege sichergestellt werden, zum anderen brauchen die zu Pflegenden und ihre Familien Sicherheit. Ebenso müssen die Pflegerinnen und Pfleger - sie sind mehrheitlich ausländische Mitbürger - aus ihren teilweise inakzeptablen Abhängigkeitsverhältnissen heraus gebracht werden. Dieses Thema darf nicht mehr vertagt werden!“, unterstreicht Pühringer.